Traditionelle chinesische Medizin – Heilkunst aus Fernost

Die Grundlagen der traditionellen chinesischen Medizin, im Westen auch TCM genannt, entstanden vor über 2000 Jahren. Doch archäologische Funde belegen sogar, dass sowohl Akupunkturanwendungen als auch chinesische Pflanzenheilkunde bis in die Steinzeit zurückreichen.




In Europa wurden die traditionellen chinesischen Behandlungsmethoden ab dem 16. Jahrhundert bekannt. Die spirituelle Welt, in der die Menschen in China leben, ist dualistischer Natur. Gegensätze wechseln sich ab und bedingen einander. Die dahinter stehenden ordnen Prinzipien sind als Ying, die weibliche Energie, und Yang, die männliche Seite, bekannt. Auch die menschlichen Organe werden nach diesen Kategorien eingeteilt. Ying und Yang demonstrieren dabei im Organismus ein dynamisches Zusammenspiel. Gerät dieses wichtige Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht, kann eine Krankheit die Folge sein.

Fünf Säulen der TCM als Ergänzung der Schulmedizin

traditionelle chinesische medizin und akupunkturZur Behandlung kann die traditionelle chinesische Medizin auf fünf Säulen zurückgreifen. Je nachdem, welches Beschwerdebild vorliegt, kann nur eine Säule oder eine Kombination diverser Behandlungsarten eingesetzt werden. In den letzten Jahren wird TCM immer stärker nachgefragt und bildet eine sinnvolle Ergänzung zu schulmedizinischen Therapien.

Akupunktur in der traditionellen chinesischen Medizin

Akupunktur ist die wohl bekannteste Säule der traditionellen chinesischen Medizin. Im Körper fließt die Energie in sogenannten Meridianen. Dieser Fluss ist bei Krankheiten oder Beschwerdebildern gestört und die universelle Lebensenergie Qi kann sich nicht mehr harmonisch bewegen. Durch kleine Nadeln, die an Punkte auf diesen Energiebahnen gestochen werden, kann der Körper stimuliert werden, das Qi wieder unbeschwert fließen zu lassen. So nehmen Experten an, dass die Wirkung von Akupunktur auf der Ausschüttung von Kortison, Entzündungshemmern und Endorphinen im Körper beruht.

Die Anwendung der kleinen silbernen oder goldenen Nadeln erfolgt in entspannter Position im Sitzen oder Liegen. Um die einzelnen Akupunkturpunkte besser zu stimulieren, können die Nadeln nach Anbringung bewegt werden. Neuere Verfahren der TCM können via die Akupunkturnadeln elektrische Impulse zusätzlich in den Körper leiten. Eine Variante der Akupunktur ist die Moxibustion, bei der getrocknetes Beifußkraut auf der Haut angezündet wird. Die Kräuterkugeln werden oft mit Akupunkturnadeln aufgesteckt und leiten wärmende Energie in den Organismus.

Arzeneimittaltherapie und Bewegungsübungen

Die Arzneimitteltherapie in der TCM basiert meist auf pflanzlichen Mitteln und wird nach Diagnosestellung individuell auf den Patienten abgestimmt. Verabreicht wird in der Regel ein Tee oder ein Sud, der nach genauen Anweisungen und abhängig vom Beschwerdebild über einen Zeitraum von einer Woche bis hin zu mehreren Monaten getrunken werden soll. Studien haben gezeigt, dass die chinesischen Arzneimittel ähnlich wirksam wie die Pharmazeutika des Westens sind.

Die Bewegungsübungen Qi Gong und Tai Chi bilden die dritte Säule der TCM. Die Übungen sollen den Körper stärken und das Qi optimal verteilen. Meridiane und Reflexpunkte gedehnt und gleichzeitig wird über die Atmung die Wahrnehmung der einzelnen Körperregionen verstärkt. Die Bewegungsübungen der traditionellen chinesischen Medizin harmonisieren Körper, Geist und Seele und regulieren besonders die Organfunktionen und das Nervensystem.

Manuelle Therapie und Ernährung

manuelle therapie in der TCMBei der vierten Säule Tuina handelt es sich um eine Unterform der manuellen Physiotherapie. Verschiedene Massagetechniken werden hier kombiniert, um den Fluss des Qi und die Blutzirkulation anzuregen. Die mindestens halbstündigen Anwendungen wirken intensiver als eine herkömmliche Behandlung. Die Ernährung als fünfte Säule ist der Bereich der TCM, in dem der Patient am meisten selbst zu seiner Gesundheit beitragen kann. In der traditionellen chinesischen Medizin wird nämlich stark die energetische Wirkung der einzelnen Nahrungsmittel betont. Neben den klassischen Nährwertangaben sind hier vor allem die vegetativen Wirkungen der Speisen wichtig, so wirken Quark und Joghurt kühlend, Chili jedoch anregend. Nahrungsmittel können auch die Lebensenergie Qi heben oder senken. Doch nicht nur Konsistenz und Geschmacksrichtung sind entscheidend, auch die Zubereitungsart beeinflusst den Körper ebenso wie Jahreszeiten und Essenszeiten.